Der Kulturweg „Von Kurköln zu den Deutschherren“ lädt nicht nur zum Wandern ein, sondern auch zum Lernen und Staunen. Der 7 Kilometer lange Rundweg führt durch Weinberge und die historischen Ortskerne von Zeltingen und Rachtig. Themen-, Projekt- und Objekttafeln geben Auskunft, wie Politik und Religion die frühere Dorfgemeinschaft prägten. Die Bedeutung des Weinbaus vom Feudalismus bis heute, Bauen und Wohnen im Wandel der Zeit, Christentum, Volksfrömmigkeit, Dorf und Region in der Territorialpolitik sind anschaulich beschrieben. Der Kulturweg thematisiert das Spätmittelalter und die Neuzeit bis zur Französischen Revolution und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, die Epochen von Gotik bis zum Spätbarock.
Infos: Verkehrsbüro
Uferallee 13, Zeltingen-Rachtig
Telefon 06532-2404,
 http://www.zeltingen-rachtig.de

Auszüge aus der Geschichte dieser Gegend.
Als das Fränkische Reich Karls des Großen nach seinem Tode zerfiel, ging die politische und ökonomische Macht von den Königen auf die Landesfürsten über. Die unterste Stufe der Feudalpyramide bildeten leibeigene Bauern und Knechte, die Land und Schutz erhielten und dafür Frondienste leisten und Naturalien abgeben mussten. Das Feudalsystem wurde in England, Frankreich, Spanien und Skandinavien im späten Mittelalter von Zentralstaaten abgelöst, an deren Spitze Könige regierten. Deutschland verblieb im zersplitterten Zustand lähmender Kleinstaaterei, darunter auch das Kurfürstentum Trier und das Kurfürstentum Köln.

Die Lage von Zeltingen-Rachtig ist eine geschichtliche Besonderheit. Eine kurkölnische Enklave inmitten des Trierer Kurstaates. Beide Orte, Zeltingen (Celtanc) und Rachtig (Ratiche), kamen vielleicht schon im 7. Jahrhundert zum Erzbistum Köln und blieben Teil der Kölner Herrschaft bis zur Zeit der französischen Revolution. Die Rosenburg und das kurkölnische Amtshaus in Zeltingen sind Zeugnisse dieser 1000 jährigen Geschichte. Territoriale Interessen und besonders der Weinbau machte diese Gegend für das Erzbistum Köln besonders interessant. Denn Wein war ein gesundes und beliebtes Getränk im Mittelalter und zog Adel und Klerus an die Mosel.

Die Ruine - Rosenburg ist der wichtigste Zeitzeuge für Zeltingen-Rachtig. Die erste urkundliche Erwähnung ist das Jahr 1182, als die Burg an Kurtrier verpfändet wurde. In älteren Überlieferungen soll der Kölner Erzbischof Kunibert (623-663) der Begründer der Kölner Herrschaft in Zeltingen-Rachtig sein. Deshalb heißt die Burg auch Kunibertsburg. Der heilige Kunibert soll auch hier geboren sein. Die Burg war bis ins 17. Jahrhundert Dienst- und Wohnsitz des kurkölnischen Amtmannes. Als Vertreter des Kölner Kurfürsten war er verpflichtet, die Burg und das Amt, mit den Dörfern Zeltingen und Rachtig zu schützen. Allerdings hatte der Kölner Kurfürst die Burg häufig verpfändet, jedoch immer wieder zurückerworben.

Als Enklave hatte Zeltingen und Rachtig in religiöser Hinsicht keine große Bedeutung. Beide Kurfürsten - der Kölner Erzbischof als weltlicher und der Trierer als geistlicher Herrscher - waren katholisch und damit die Einwohner auch. Kirchlich gehörten beide Dörfer zum Trierer Erzstift und spätestens seit dem 10. Jahrhundert zur Mutterkirche in Lösnich. Durch Schenkung ging das Patronats- und Zehntrecht der Kapellen in Zeltingen und Rachtig Mitte des 13. Jahrhunderts an den Deutschen Ritterorden. Der Deutschherrenhof in Rachtig, einer spätgotischen Anlage mit barocker Erweiterung, ist ein wichtiges Zeugnis dieser Zeit.

Um die Mitte des 11. Jahrhunderts war fast ganz Westeuropa christlich geworden. Zahlreiche Wegekreuze, Kapellen, die aus Dankbarkeit gestiftet wurden, zeigen den Volksglauben, aber auch die Angst vor Fegefeuer und Hölle. Der Glaube an das Jüngste Gericht bestimmte Denken und Handeln. Die Namen der Weinlagen »Zeltinger Himmelreich« und »Deutschherrenberg« zeigen den religiösen Brauchtum in der Moselregion, der mit dem Alltag bis heute eng verbunden ist.

 

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Sonntag, 10. Juni 2012 um 09:33 Uhr in Mosel | 1705 Aufrufe

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