Die 68. Deutsche Weinkönigin kommt von der Mosel und heißt Lena Endesfelder. Die 23-Jährige aus Mehring wurde von einer 70-köpfigen Expertenjury unter sechs Finalistinnen ausgewählt. Nach einem Studium Bachelor of Science in Weinbau und Oenologie in Geisenheim bewirtschaftet sie gemeinsam mit Mutter und Schwester das eigene Weingut in Mehring. Nun wird sie das kommende Weinjahr im Auftrag des Deutschen Weininstituts (DWI) ein Jahr lang auf über 200 Terminen im In- und Ausland als Botschafterin für den deutschen Wein unterwegs sein. Zwei Weinprinzessinnen, Mara Walz aus Württemberg und Christina Schneider aus Franken unterstützen sie in ihrer Amtszeit.

Zur Wahl der Deutschen Weinkönigin zählt heute nicht nur gutes Aussehen, sondern fundiertes Fachwissen, persönliches Auftreten, Fremdsprachenkenntnisse und Schlagfertigkeit. Schließlich ist die Deutsche Weinkönigin Botschafterin ihres Landes.

Bei der Wahl der Deutschen Weinkönigin stellen sich die Gebietsweinköniginnen der 13 deutschen Anbaugebiete einem anspruchsvollem Auswahlverfahren. Vor laufenden Kameras mussten sie in einer verdeckten Weinprobe die Rebsorte erkennen und dem richtigen Anbaugebiet zuordnen. In der Raterunde „Was bin ich“ galt es, mit geschickten Fragen weinbezogene Berufe herauszufinden und bei „Dingsda“ die richtigen Weinbegriffe zu erkennen, die von Kindern beschrieben wurden. Lena Endesfelder blieb dabei sehr locker, punktete mit ihrer souveränen Art und Kompetenz. Auch ihre einminütige Rede zum Thema „Weinvermarktung in China - vier Helfer für das DWI“, in die sie spontan die vier Persönlichkeiten Sepp Blatter, Papst Benedikt, David Cameron und Stefan Raab einbauen musste, gelang ihr hervorragend. Fröhlich und humorvoll hat Lena ihre letzte Aufgabe gelöst, in der Sie einen Brief an sich selbst schreiben und dem Publikum vortragen musste.

Voraussetzungen einer Weinkönigin

Bis 1999 mussten die Kandidatinnen ledig sein, also weder verheiratet noch geschieden und aus einer Winzerfamilie stammen. Seit dem Jahr 2000 wird lediglich noch eine „eindeutige und starke Verbundenheit mit deutschen Weinen“ vorausgesetzt.

Das Deutsche Weininstitut hat sieben Wochen vor der Wahl zur Deutschen Weinkönigin die 13 Bewerberinnen aus den regionalen Weinanbaugebieten zu einem Vorbereitungsseminar eingeladen. In diesem dreitägigen Workshop wird Rhetorik, Kamera und wertvolle Tipps für ihren Bühnenauftritt vermittelt. Denn es ist gar nicht so einfach, plötzlich vor einem Millionenpublikum zu stehen und sich zu präsentieren. Auch eine Stilberatung und ein Fotoshooting stehen auf dem Programm. Ein Crashkurs „English for Winequeens“ bereitet die Kandidatinnen auf die englischen Fragen vor, die Bestandteil der fachbezogenen Vorentscheidung sind.

Geschichte der Weinkönigin

1931 kürte erstmals die Pfalz eine Weinkönigin. Die erste Weinkönigin, Ruth Bachrodt, stammte aus Pirmasens in der Westpfalz, wo gar kein Wein angebaut wurde. Seit 1950 wählt jedes deutsche Anbaugebiet seine regionale Weinkönigin. Daraus wird im Folgejahr die Deutsche Weinkönigin gewählt. Über 30 Jahre lang entsprachen die Weinköniginnen dem traditionellen Bild des hübschen, braven Mädchens in Tracht. Nur das ursprüngliche Zepter wurde 1966 durch ein Weinglas ersetzt. So beschrieb 1950 die Süddeutsche Zeitung die Kandidatinnen als „echte Töchter der Weinberge, von kräftiger Statur, kerngesund und apfelbäckig“. Die Prüfungen bestanden damals unter anderem darin, einen Walzer zu tanzen und eine Rede zu halten. Bis Ende der 1950er Jahre beschränkten sich die Repräsentationspflichten der deutschen Weinkönigin im Wesentlichen auf die inländischen Absatzmärkte.

In den 1980er Jahren begann sich das Bild der Weinkönigin in der Öffentlichkeit grundlegend zu wandeln, vor allem aufgrund des Auftretens von Persönlichkeiten wie Karin Molitor (1982/83) und Petra Mayer (1988/89). Im Jahr 1981 wurde das bis dahin für Fototermine obligatorische Dirndl abgeschafft. Ab den 1990er Jahren wurde das Amt für junge Winzerinnen und am Weinbau interessierte Frauen immer mehr zum Karrieresprungbrett in der Politik (Julia Klöckner), im Marketing (Katja Schweder, Evelyn Schmidt), in der Gastronomie (Carina Dostert) oder im eigenen Betrieb (Sandra Hake, Sylvia Benzinger). Gutes Aussehen und Tanzbegabung der Kandidatinnen sind heute keine ausschlaggebenden Gründe mehr, eine Kandidatin zu wählen, vielmehr werden neben fundierten Fachkenntnissen in Oenologie und Kellertechnik auch Schlagfertigkeit und Beredsamkeit sowie Fremdsprachenbeherrschung und Exportwissen verlangt. Deshalb wurde 2009 in Neustadt an der Weinstraße ein Vorbereitungsseminar für die Kandidatinnen eingeführt.

Die Krone

Im Sommer 2015 wurde die sechste Krone vorgestellt. Sie ist sechs Zentimeter hoch, 90 Gramm schwer und besteht aus vergoldetem Silber. Feine Ranken erinnern an die Ornamentik des Jugendstils, daneben ziert alle drei Exemplare in der Mitte eine stilisierte Traube. Diese entspricht dem Logo des DWI, mit dem dieser seit letztem Jahr weltweit wirbt. Früher unterschieden sich die Kronen von Königin und Prinzessinnen, heute sind alle drei fast identisch. Lediglich die der Königin hat einen Bogen mehr und 13 kleine Edelsteine aus rotem Granat und grünem Turmalin, die von der Goldmeisterwerkstatt Aurelia in Bad Kreuznach gestaltet wurde.

Alle 13 Gebietsweinköniginnen stellen sich zunächst einer öffentlichen Fachbefragung, die von etwa 70 Jurymitgliedern durchgeführt und von den Veranstaltungsgästen mitverfolgt wird. Von den 13 Kandidatinnen werden sechs nominiert, die im zweiten Durchgang während der feierlichen Galaveranstaltung Spontaneität, Charme und Witz beweisen müssen.

 

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Montag, 03. Oktober 2016 um 08:08 Uhr | 857 Aufrufe

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