Nur 15 Minuten dauerte der Hagelschauer. Danach war alles anders. Riesige Hagelkörner zerschlugen Auto- und Fensterscheiben, zerstörten Häuser und einen großen Teil der Weinernte. Sturmböen deckten Dächer ab und rissen Bäume um. Viele Autos sind von tennisgroßen Hagelkörnern zerbeult. Die Moselorte Veldenz und Kröv lagen im Zentrum des Unwetters.

Aber wie kommt es überhaupt zu Hagel? Hagelkörner entstehen in den niedrigen Schichten der Gewitterwolken durch unterkühltes Wasser. Die Gewitterwolken sind sehr wasserreich, die Hagelkerne wachsen durch dieses Wasser, das an den Körnern kristallisiert. Hohe Temperaturunterschiede bewirken starke Aufwinde, dass die Bildung von Hagelkörnern begünstigt. Ohne Aufwind, würden die Partikel aus der Wolke einfach runterfallen ohne größer zu werden. Die Partikel werden durch den Aufwind nach oben geschleudert, dann fallen sie wieder herunter und nehmen weiteres Wasser auf. So entsteht mit der Zeit ein immer größerer Ball aus gefrorenem Wasser. Wenn das Hagelkorn zu schwer ist, um vom Aufwind wieder nach oben geschleudert zu werden, fällt es auf Autos, Häuser und Menschen. Dummerweise schmilzt das Hagelkorn nicht auf dem Weg zur Erde. Je größer das Hagelkorn ist, desto stärker waren die Aufwinde in der Gewitterwolke.

Die Hagelschaden-Skala der Schweizerischen Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen unterscheidet elf Intensitätsklassen. Der Durchmesser eines Hagelkorns reicht von unter 0,5 cm bis zu außergewöhnlich großem Hagel von über 10 cm Durchmesser. Das Gewicht der Körner variiert zwischen 0,1 g und mehr als 0,5 kg. Ab einem Durchmesser von etwa 2 cm und einer Fallgeschwindigkeit von 70 km/h kommt es zu Schäden an Autos, Glasscheiben und Zelten. Kleiner Hagel fällt nur 35 km/h schnell. Außergewöhnlich großer Hagel kann dagegen Geschwindigkeiten von über 150 km/h erreichen.

Die Zahl der Hagelgewitter hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. 1986 gab es fünf Hagelschäden im Jahr, 2004 waren hagelte es 34 Mal. Für Bauern und Hausbesitzer ist Hagel ein Albtraum und kann zu existenziellen Einbußen führen. Eine Hagelversicherung trägt das finanzielle Risiko von Ernteausfällen. Jedoch sind Gebäude und Fahrzeuge nicht versichert. Die Angst vor einem Hagelunwetter beschäftigte die Leute schon immer. Im 19. Jahrhundert läuteten die Glocken bei Hagelstürmen und Gewitter, im 20. Jahrhundert wurden Böller abgeschossen. Mitte der 50ziger Jahre schoss man Hagelraketen mit Silberiodid in die Luft. Heute erledigen das Hagelabwehrpiloten mit ihren Flugzeugen. Dabei werden die Kondensationskerne künstlich erhöht. Dadurch verteilt sich das Wasser feiner, extrem große Hagelkörner können nicht entstehen. Viele Hagelkörner schmelzen schon während des Ausregnens der Gewitterwolke. Die Effektivität der Hagelbekämpfung mit Silberiodid ist allerdings wissenschaftlich nicht belegt. Eine andere Methode gegen Hagel sind Hagelkanonen, dass sind kleine Container mit einem aufgesetzten Trichter, die alle fünf Sekunden energiereiche Stoßwellen in den Himmel schießen. Dabei wird der Hagel in Nassschnee umgewandelt. Die Knaller sind ganz schön laut und man sollte beim Einsatz einen Gehörschutz tragen. Hagelschutznetze, die in Giebeldachform über die kompletten Pflanzen gespannt werden, können auch die Ernte retten.

Schon in vorchristlicher Zeit gab es einen Gedenktag an eine durch Hagel zerstörte Ernte. Der Hagelfeiertag wurde dann im 5. Jahrhundert nach Christus in Frankreich zu einem christlichen Feiertag ernannt. Wenn es den Feiertag heute überhaupt noch gibt, die katholischen Gemeinden feiern ihn am Tag nach Christi Himmelfahrt. Trotzdem lohnt es sich immer noch, an der Mosel Urlaub zu machen.

 

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Samstag, 27. August 2011 um 10:54 Uhr in Mosel | 2052 Aufrufe

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