In Bernkastel werden vom 10. bis 13. Juni im Stadtteil Kues wieder die Weinkeller geöffnet. Zum Tag der offenen Weinkeller kommen Touristen aus der ganzen Welt. Eine gute Gelegenheit Winzer kennenzulernen und einen guten Wein zu probieren. Die Stadt liegt idyllisch an der Mittelmosel, umgeben von Weinbergen. Das altertümliche Stadtbild mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und der Burg Landshut aus dem 13. Jahrhundert vermitteln ein romantisches Dornröschenbild. Bernkastel-Kues ist auch ein staatliche anerkanntes Heilbad mit mehreren Kliniken auf dem Kueser Plateau.

Das Winzerdorf Kues wurde am 1. April 1905 mit der Stadt Bernkastel eingemeindet. Hier fand man die ersten Zeugnisse menschlicher Besiedlung. 1926 gingen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage 2000 Moselwinzer auf die Straße und stürmten das Finanzamt in Bernkastel und das Zollamt in Kues. Sie protestierten gegen hohe Steuern und eine große ausländische Konkurrenz. Der Prozess gegen die Finanzstürmer wurde aufgrund mehrerer Gnadengesuche schließlich ausgesetzt. Die Verarmung der Winzer war zu dieser Zeit sehr hoch. Viele Kleinwinzer hatten neben ihren Weinbergen keinen landwirtschaftlichen Betrieb und waren auf den Verkauf ihres Weines angewiesen. In den zwanziger Jahren gab es zahlreiche Missernten und Hochwasser die das „vollkommene Stocken des Weinabsatzes” für die Not der Moselwinzer verantwortlich machte. Hinzu kam der Verkauf französischer Weine, die seit 1923 durch das “Loch im Westen”, das von den Franzosen besetzte Rheinland, auf den deutschen Markt drängten. Trotz hoher Schutzzölle gegen ausländische Weinimporte waren die Moselwinzer dem nicht mehr gewachsen. Als 1924 die Zolltarife für spanischen Wein drastisch gesenkt wurden, kam in 14 Monaten soviel spanischer Wein an die Mosel, wie Mosel, Saar und Ruwer zusammen in drei Jahren anbaute. Die Winzer waren gezwungen ihren Wein zu einem Preis unterhalb der Produktionskosten zu verkaufen, oder sie blieben ganz auf ihrem Wein sitzen. Diese existenzielle Notsituation wurde durch die ungewöhnlich hohe Steuerbelastung der Moselwinzer verschärft. Als Anfang des Jahres 1926 bekannt wurde, dass der Handelsvertrag mit Spanien verlängert werden sollte, spitzte sich die Lage gefährlich zu. Während der Verhandlungen im Finanzamt flog ein Stein und zertrümmerte eine Fensterscheibe der Behörde. Diese Tat wirkte wie ein elektrischer Funke in ein Pulverfass. Die wütende Menge stürmte das Amt, sie warfen Akten und Möbel durch die zertrümmerten Fenster und zündeten Gegenstände an. „Die jahrelang aufgespeicherte Wut eines braven, fleißigen und kerngesunden Volksstammes, der trotz härtesten Kampfes ums Dasein in tiefstes Elend geraten war, entlud sich über dem Finanzamt, der Finanzkasse und dem Zollamt.”

Diese Zeiten sind nun zum Glück vorbei. Trotzdem sind die Winzer immer wieder auf gutes Wetter angewiesen. Geniessen sie in den Kueser Weinkellern die guten Weine von 2010 und finden sie heraus, wie sich das Wetter in anderen Jahren auf die Traube und den Wein auswirkte. Weitere Informationen zum Tag der offenen Weinkeller: Weingartenstraße, Telefon 06531-500190

 

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Freitag, 10. Juni 2011 um 08:33 Uhr in Mosel | 1769 Aufrufe

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