Selbst Johann Wolfgang von Goethe verschlug es einmal an die Mosel. Er kam während der Französischen Revolution auf dem Rückzug von der Campagne in Frankreich durch die Moselgegend. Den beschwerlichen Landweg zwischen Trier und Koblenz verkürzte er durch eine Flussfahrt. Seit dem nächtlichen Zwischenstopp in Traben Trarbach mit einigen Tropfen „köstlichsten Moselweins” hängt am Hause des Kaufmanns Böcking eine Gedenktafel „In diesem Haus weilte ...”. Seine Reiseerlebnisse beschrieb er so: Es ward stockfinster; eingeengt wussten wir uns zwischen mehr oder weniger steilem Ufer, als ein Sturm, bisher schon ruckweise verkündigt, gewaltsam anhaltend hereinbrach; bald schwoll der Strom im Gegenwinde, bald wechselten abprallende Windstöße niederstürzend mit wütendem Sausen; eine Welle nach der anderen schlug über den Kahn, wir fühlten uns durchnässt. Der Schiffmeister barg nicht seine Verlegenheit; die Not schien immer größer, je länger sie dauerte, und der Drang war aufs höchste gestiegen, als der wackere Mann versicherte, er wisse weder wo er sei, noch wohin er steuern solle.” Wie auf hoher See, kann die Mosel ganz schön abenteuerlich sein.

Einige Jahrzehnte später beschrieb Karl Marx in der Rheinischen Zeitung die Notlage der Moselwinzer um 1840. In dieser Zeit hatten mehrere Missernten, hohe Steuern und die Erbteilung zur Verarmung der kleineren Weinbaubetriebe geführt. Viele Menschen aus der Eifel und Hunsrück sind daher nach Amerika ausgewandert.

Nach der Reichsgründung 1871 und der neuen “Kanonenbahn” von Berlin nach Metz kam der Weinhandel in Schwung. In dem legendären „Saufbähnchen”, eine Kleinbahn, die seit 1905 den Moselabschnitt zwischen Trier und Bullay mit dem Eisenbahnnetz verband, saßen Anfang Oktober 1929 Kurt Tucholsky mit seinen Freunden Karlchen und Jakopp. Er beschrieb folgendes: „Wir soffen uns langsam den Fluß hinab, wir fuhren mit dem Saufbähnchen von Trier nach Bulley hinunter, und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. ... Mosel ist kein so bedächtiger Wein wie der Rheinwein oder der Steinwein ... es ging sehr schnell. Wir hatten auch schon am frühen Nachmittag gemoselt - wir tranken unmittelbar in den Dämmerschoppen hinüber, vielleicht war es das….”

Der Schriftsteller Rudolf G. Binding lernte bei seiner Flußwanderung in Cochem eine Moselanerin kennen, die sich auf einer Moselfahrt aus Liebeskummer befand. Bei ihrer Beschreibung ließ sich der Dichter weniger von einem Rosengarten, sondern eher von einem Pferdemarkt inspirieren: „Ich staunte sie an. Denn so wundervolle Zähne, eine solch perlende, herrliche, geschwungene Doppelbalustrade eines Gebisses - was sage ich: einer Beißzange, hatte ich, so viel ich wußte, mein Lebtag nicht gesehen. (...) Die Frau bestritt mit ihrer Zahnherrlichkeit ihr ganzes Wesen, ihre ganze Schönheit.” Nach der Ankunft in Trier ließ das Gebiß den alternden Charmeur Binding offensichtlich abblitzen. Eine ideale Vorlage für einen Heimatfilm in den 50er Jahren. Mit Kurt Hoffmann als Regisseur und Will Quadflieg in der Hauptrolle.

Ein eher düsteres Bild der Moselgegend zeichnete um dieselbe Zeit die Schriftstellerin Clara Viebig. In ihrem Roman „Die goldenen Berge” beschreibt sie den Sturm auf das Bernkasteler Finanzamt am 25. Februar 1926. Sie schildert das Leben der Moselwinzer als eine einzige Mühsal und Plage. Missernten, Hochwasser, Weinsteuer. Die Moselaner erwarteten Hilfe von der Regierung in Berlin. Sie telegrafierten Resolutionen nach Berlin, trafen sich in Versammlungen. Bei einer großen Kundgebung in Bernkastel vor dem Landratsamt entlud sich die angestaute Wut gegen die verhasste Finanzbehörde mit Erfolg. Die Weinsteuer fiel, Kredite und Steuern wurden gestundet, Handelsverträge mit ausländischen Weinexporteuren gekündigt. Mit der Mosel ging es wieder bergauf.

 

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Dienstag, 19. Februar 2013 um 21:20 Uhr in Mosel | 1835 Aufrufe

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