Goldgelbe Weinblätter, vermischt mit grünen Trauben und klarer Herbstluft, das ist die Mosellandschaft im Oktober. Die Weinlese ist in vollem Gang, jetzt wird der Winzer für seine jährliche Arbeit belohnt. Manche kommen sogar extra zur Weinlese an die Mosel. Natur erleben, bei frischer Luft und einem schönen Blick ins Moseltal arbeiten. Das ist ein schöner Kontrast zu einem Arbeitsschreibtisch in einem Büro. Wenn auch schonmal die Finger etwas einfrieren und das Thermometer gerade mal ein paar Grad über Null anzeigt. Doch den Winzern ist das egal, denn Kälte bedeutet, das die Beeren besonders aromatisch schmecken und wenig Fäulnis bilden.

Der spätreifende Riesling ist mit 60 Prozent die wichtigste Rebsorte im Weinbaugebiet der Mosel. In den letzten Wochen vor der Ernte spielt das Wetter eine große Rolle. Dieses Jahr ist das Wetter perfekt. Denn trockenes und kühles Oktoberwetter sorgen für eine hervorragende Rieslingernte. Viele Einflüsse entscheiden über Zeitpunkt, Menge und Qualität der Weinernte.

Zunächst werden die früh reifenden Rebsorten gelesen, von Ortega bis Müller-Thurgau. Dann folgen der Elbling und die Burgundersorten. Die Riesling-Ernte in den Steillagen beginnt meist Mitte Oktober. Ein wichtiger Indikator für die Reife der Trauben ist der Fruchtzuckergehalt, der in Grad Oechsle gemessen wird. Der Name dieser Maßeinheit bezieht sich auf den Apotheker, Goldschmied und Physiker Ferdinand Oechsle (1774-1852), der in Pforzheim lebte. Je günstiger das Klima, je höher die Reife bzw. je später die Lese, desto höher sind die Mostgewichte und damit werden auch gehaltvollere Weine erzeugt. Ein Most mit 100 Grad Oechsle und zehn Gramm Säure wäre perfekt. Das ist normalerweise nicht der Fall. Aber auch Guts-Rieslinge mit 75 bis 80 Grad Oechsle sind schon gute Weine, die sich jeder leisten kann. Der Oechslegrad liegt bereits jetzt im Durchschnitt bei 89 Grad. Dieses Jahr wird es viele Spät- und Auslesen geben.

Der Reifegrad der Trauben entscheidet schon im Weinberg darüber, unter welchen Bezeichnungen die Weine später angeboten werden. Je nach Weinberg gibt es große Reifeunterschiede. In flachen Lagen liegen die Trauben bei 70 bis 75 Grad, an Steilhängen ist der Mostgehalt meist höher. Aber nicht nur der natürliche Zuckergehalt der Weintrauben ist entscheidend, um reife, harmonische Weine erzeugen zu können, muss der Winzer die physiologische Reife der Trauben abwarten. Viele Winzer messen daher nicht nur das Mostgewicht, sie probieren im Herbst täglich die Trauben in ihren Weinbergen um festzustellen, wann der Geschmack und damit die Qualität optimal ist. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Traubenkerne braun werden und sich leicht vom Fruchtfleisch lösen.

In den Steillagen des Mosel-Gebietes ist eine selektive Ernte notwendig. Die Trauben bzw. Beeren werden in mehreren Erntedurchgängen, je nach Reifegrad getrennt geerntet und sortiert. Mit diesem hohen Arbeitsaufwand lassen sich differenzierte Weinqualitäten und -stile erzeugen. Überreife oder faule Weinbeeren werden ausgelesen, die gesunden Trauben bleiben noch am Rebstock um weiter zu reifen. Sie werden erst Tage oder gar Wochen später eingebracht. Für die Erzeugung hochwertiger trockener und feinherber Weine wird nur gesundes, vollreifes Lesegut verwendet.

Aus der Ernte ergeben sich verschiedenen Weine. Landweine sind landschaftstypische herzhafte Schoppenweine. Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete sind gebietstypische Weine für den täglichen Genuss. Sie dürfen nur von genehmigten Rebflächen und zugelassenen bzw. empfohlenen Rebsorten stammen. Prädikatsweine sind Weine, die Qualitätsstufen Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein unterteilt. Sie werden nur aus dem natürlichen Fruchtzucker der geernteten Trauben vergoren. Für jedes Prädikat ist ein Mindestmostgewicht gesetzlich festgelegt.

Manche Winzer sprechen dieses Jahr sogar von einem Jahrhundertwein. Überzeugen Sie sich bei der nächsten Weinprobe selbst.

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Freitag, 16. Oktober 2015 um 12:44 Uhr | 1003 Aufrufe

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