Unter Weinfreunden ist der Eiswein eine begehrte Rarität. Das Jahr 2011 war ein gutes Weinjahr. Genügend Trauben konnten für den Eiswein hängenbleiben. Wegen der Trockenheit im November und Dezember sind die Beeren bis jetzt in einem guten Zustand. Nur der Frost fehlt. Damit der Eiswein hergestellt werden kann, sind Temperaturen von minus sieben Grad notwendig. Die Trauben werden im gefrorenen Zustand, gelesen und gekeltert. Der Riesling eignet sich besonders gut zum keltern von Eiswein. Eine robuste Sorte, die spät reift und einen hohen Säuregehalt hat. Beim Pressen bleibt ein großer Teil des Wassers in den gefrorenen Trauben zurück - deshalb ist der Zuckergehalt sehr hoch. Eine seltene Delikatesse, die nur in wenigen Ländern hergestellt wird. Angeblich wurden die ersten Trauben für den Eiswein in Bingen-Dromersheim am 11. Februar 1830 gelesen. 1829 war eigentlich ein schlechtes Weinjahr. Als die Winzer in Dromersheim die restlichen Trauben für das Vieh pflückten, stellten sie fest, dass die Trauben einen wunderbar süßen Saft mit hohem Mostgewicht hatten. Je süßer die Trauben, desto höher der Alkoholgehalt. Der Preis richtet sich nach dem Angebot. Einen guten Eiswein erhält man schon für 20 Euro/halber Liter. Der Preis kann aber auch in die Hunderte gehen.
Dafür kann sich die Winzerin Reh-Gartner vom Weingut Kesselstatt freuen. Das DinersClub Magazin ernannte sie zur Winzerin des Jahres 2011. Schloss Marienlay liegt zwar nicht an der Mosel, aber das Ruwertal bei Morscheid ist einen Besuch wert. Der Vater von Annegret Reh-Gartner kaufte das Gut 1978 und baute das Schloss um. Die Geschichte geht bis ins Jahr 1349 auf das Rittergeschlecht Kesselstatt zurück. Der Jahrgang 2011 soll sich mit den Jahrhunderjahrgängen 1911, 1921 oder 1953 messen können. In den nächsten Tagen werden rund 300.000 Flaschen abgefüllt. Im Jahr 2010 waren es 150.000 Flaschen. 
Das Weingut Reichsgraf von Kesselstatt besitzt Weinberge an der Mosel, Saar und Ruwer. Der Josephshöfer Weinberg ist durch den Alleinbesitz besonders exklusiv. Dieses Kleinod, ein ehemaliges Kloster mit Weinbergsbesitz von nur 3,8 ha Größe, wurde nach der Säkularisierung 1858 von den Grafen Kesselstatt erworben. Der Josephshöfer Weinberg liegt in der Nähe von Graach an der Mittelmosel bis zur Wehlener Sonnenuhr und dem Graacher Domprobst. 
Die Lage ist mit einem Steilhang von 60-70 Grad Steigung nach Süden ausgerichtet, einzigartig. Der graublaue Devonschiefer-Verwitterungsboden mit hohem Feinerdeanteil erzeugt körperreiche würzige Weine. Das Pfirsich-Aroma mit einem Anflug von wilden Kräutern und erdig würzigen Komponenten ist charakteristisch für den Wein. Ein besonderer Wein unter den Moselweinen. Der heutige Josephshof wird von den Graachern immer noch der Merteshof genannt. Fast ein Jahrtausend lang gehörte der Weinberg der Trierer Abtei St. Martin. Matthias Joseph Hayn aus Trier ersteigerte das Juwel 1803 zum Spottpreis von 247 Gulden und nannte ihn Josephshof. Sein Schwiegersohn Mohr verkaufte den Hof im Jahr 1858 für 58.000 Taler dem Grafen von Kesselstatt. Der Josephshof war eines der wertvollsten Besitztümer der Trierer Abtei. Im ehemaligen Kloster Josephshof befindet sich heute Arbeitsplatz und Zuhause für geistig behinderte Menschen.

 

# Link | Bettina Bartzen | Dieser Artikel erschien am Samstag, 07. Januar 2012 um 16:00 Uhr in Mosel | 3099 Aufrufe

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